Abstract

DER GARTEN DER ARMEN
(IL GIARDINO DEI POVERI)
Es ist gewachsen, das Basilikum
im Garten der Armen:
Sie haben den Fenstern die Luft geraubt
auf zwei Brettern haben sie ausgesät.
Die Spatzen werden kommen,
die Mücken werden kommen,
in den Garten der Armen.
Jetzt, wenn du nicht weißt, was tun
nimmst du den Krug in die Hand,
ich werde dich sehen, gewachsen, zwischen den Rosen
des Gartens der Armen.
(Potenza, den 21. Oktober 1948)
DU LÄSST UNS NICHT SCHLAFEN, KUCKUCK, VERZWEIFELTER
(TU NON CI FAI DORMIRE CUCULO DISPERATO)
Um die braunen Berge herum, überall,
ist deine Farbe wiedererwachsen
September, Freund meiner Wege.
In unsere Mitte hast du dich gedrängt,
nah gespürt haben dich unsere Frauen,
als verlorene Grillen
aus den verbrannten Stoppeln des Dorfes
sich zu den Toren aufrichteten mit einem Schrei.
Und dort sind Stängel vertrockneter Feigen
und grüne Tomaten auf den Gewölben
und der Sack mit Korn, der Haufen
mit heruntergeschlagenen Mandeln.
Du lässt uns nicht schlafen
Kuckuck, verzweifelter,
mit deinem Ruf:
Ja, wir werden unsere Schritte zurück auf die Pfade lenken,
uns morgen wieder dem Mühsal aussetzen,
dass die Flüsse wieder gelb werden,
unter den Furchen.
Und der Wind wird uns verwirbeln
die Mäntel in den Schränken.
(1. September 1947)
EIN HAUS HINTER DEN ZYPRESSEN DES GEFÄNGNIS’
(UNA CASA DIETRO I CIPRESSI DEL CARCERE)
Turteltäubchen, zeig dich nicht
in der meergrünen zarten Bluse,
die Blüten stecken noch in den Blättern
und die Rinde atmet noch träge.
Mein Gefängnis, prachtvolles Tor:
Ein Meer von Stimmen in einem Ring eingeschlossen,
verdichtet sich im Einklang für dich,
Täubchen, das du spielst Nixe
zwischen den Zypressenzweigen.
Zitternd in der Luft ist das Licht, sind die Häuser …
und alles erscheint unwirklich,
aber du weißt in Versuchung zu führen
mit deinem Schnabel mein Herz.
Aber wir kennen nicht mehr Lieder,
allesamt haben wir sie gesungen
des Tages und in den Nächten unter deinen Balkonen.
(Matera, den 17. März 1950)
HAUS
(CASA)
Wie konntest du, meine Mutter, überdauern
die Jahre an der Asche des Herdfeuers,
am Fenster, du zeigst dich nicht mehr, nie.
Und verlierst die Blätter, den Mann und die fernen Kinder,
und der Glauben an Gott ist dir aus den Händen gefallen,
das Haus ist nun dein, jetzt wo du gehst.
