Abstract

Die Beiträge dieser Ausgabe von Transfer berichten und reflektieren über einen bestimmten Aspekt der Tätigkeiten transnationaler Konzerne, nämlich ihre Rolle als politische Akteure. Das Zusammenspiel von Macht und Politik zeigt oft das wahre Gesicht einer Organisation. Dies gilt besonders für multinationale Unternehmen, in deren Kontext der Begriff „politisch“ verwendet wird, um auf die Macht zu verweisen, die in solchen transnational tätigen Konzernen ausgeübt wird. Diese Machtausübung lässt sich unter verschiedenen Gesichtspunkten beleuchten – von der internen Führung über interne Macht und Politiken bis hin zum Einfluss dieser Unternehmen auf bestehende Institutionen, die für die Regelung von Beschäftigung und Arbeitsbeziehungen zuständig sind. Ganz allgemein geht es dabei auch um die Makropolitik des sozialen Raums, den multinationale Unternehmen in ihrem Umfeld schaffen, beispielsweise durch Händler- und Verrechnungspreise und durch Preissetzung für Güter und Dienstleistungen innerhalb des Unternehmens, aber auch über nationale Grenzen hinaus.
Im Mittelpunkt dieser Ausgabe stehen zwei miteinander verknüpfte Elemente: Zum einen die Makropolitik des transnationalen sozialen Raums, wobei hier die finanziellen Aspekte transnationaler Konzerne und ihre internen strategischen Entscheidungsprozesse erörtert werden; und zum anderen der Einfluss dieser Prozesse auf die Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums und der Macht in multinationalen Unternehmen und in ihrem Umfeld, etwa ihre Auswirkungen auf lokale Akteure, Beschäftigungsbeziehungen, Arbeitsnormen und Institutionen der Arbeitsbeziehungen.
Die erste Beitrag dient als Einführung in das Thema und befasst sich mit drei Aspekten. Erstens weisen die Autoren auf die wachsende Bedeutung aktueller Trends in multinationalen Konzernen hin, insbesondere ihre „Finanzialisierung“ und die Entwicklungen bei ihren internen strategischen Entscheidungsprozessen. Zweitens wird angesichts des kontroversen und komplexen Wesens multinationaler Unternehmen untersucht, ob und wie sich die Rolle der nationalen Tochterunternehmen im Verhältnis zu den Regionalzentralen und zur Konzernzentrale entwickeln könnte, und wie sich dies auf unser Verständnis von den Wechselbeziehungen zwischen transnationalen Organisationen und den verschiedenen institutionellen Rahmenbedingungen multinationaler Konzerne auswirken würde. Neben dem Einfluss multinationaler Unternehmen auf lokale und gesellschaftliche und politische Institutionen untersucht diese Ausgabe auch, in welchem Umfang Macht in multinationalen Unternehmen zu Änderungen der transnationalen Spielregeln führen kann, die von den Unternehmen selbst vorgenommen werden und ihnen ermöglichen, sich den nationalen Regulierungssystemen zu entziehen und sogar in gewissem Umfang ihre eigenen Arbeitsregelungen zu schaffen. Alle Beiträge dieser Ausgabe beleuchten die Herausforderungen, die sich aus diesen drei Aspekten für die Gewerkschaftsbewegung ergeben.
