
Editorial
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Viele Unternehmen und Organisationen versuchen nach dem Prinzip „Spitzenleistungen mit Menschenwürde” zu führen. Im Rahmen dieser Versuche werden oft Führungsleitlinien oder Verhaltensregeln proklamiert. Dabei wird angenommen, eine Verabschiedung solcher Verhaltensregeln und deren Papierdokumentation sei ausreichend, um ihre Umsetzung zu erreichen. Es wird übersehen, dass die Problematik erst in dieser Phase wirklich beginnt: allzu leicht bewirkt die Formulierung und Verabschiedung sowie die Präsentation in Hochglanzbroschüren Frustration und innere Kündigung bei den Mitarbeitern, weil aus deren Sicht nur Lippenbekenntnisse gegeben werden und eine Doppelmoral auf Seiten der Führung festgestellt wird: die Führungsebene lebt nicht entsprechend der von ihr selbst proklamierten Werte und Normen und hat zweierlei Maβ bei der Beurteilung von Verletzungen der festgelegten Verhaltensregeln.
In diesem Beitrag demonstrieren wir einerseits die Problematik der Formulierung von Verhaltensregeln und andererseits zeigen wir auf, welche Bedingungen notwendig sind, damit nach ihrer Festsetzung und Proklamation eine konkrete Umsetzung auch tatsächlich stattfindet.
Die empirische Ethikforschung wird aus der klassischen Moralforschung herausgelöst und in Verbindung mit anderen Schwerpunkten aus der Sozialpsychologie und Soziologie gebracht: Werte, Kultur, Gerechtigkeit, Attribution. Ferner wird auf weit zurückliegende Studien aufmerksam gemacht. Als Ergebnis dieser Überlegungen wird eine
Beim Vergleich der Rechtfertigung der Keimbahntherapie von drei unterschiedlichen Berufsgruppen aus der Wirtschaft, der Medizin und der Rechtsprechung zeigt sich eine Bevorzugung hedonistischer Positionen durch die Wirtschaftler und die Bevorzugung von Utilitarismus und Deontologie durch die Juristen und Mediziner.
Das tiefere Verständnis von Erklärungen führt zur ursprünglichen, deskriptiven Attributionsforschung und das bessere Verständnis von Motivationen führt zur präskriptiven Attributionsforschung in Form der hier vorgeschlagen empirischen Ethikforschung.
In diesem Beitrag werden zunächst die Begriffe Mikropolitik, Moral und Ethik kurz umrissen, um dann die ethische Zulässigkeit mikropolitischer Aktivitäten mit Hilfe verschiedener ethischer Theorien zu untersuchen. Diese sind der Kontraktualismus, der Utilitarismus, der Grundrechte-Ansatz, die thomistische Lehre vom doppelten Effekt, die Diskursethik sowie die hermeneutische Ethik. Die dezisionistische Position, wonach die Anerkennung ethischer Prinzipien nicht rational fundierbar sei, wird zurückgewiesen. Es wird die Integration der verschiedenen Normen im Sinne eines kohärenten Reflexionsgleichgewichts vorgeschlagen.
Angewandte Forschung ist nicht nur – wie eine theorieorientierte Wissenschaft – dem Kriterium der „Wahrheit”, sondern auch jenem der „Nützlichkeit” verpflichtet. Für eine wissenschaftlich begründete Praxis gilt dies nahezu in ausschließlichem Maβe. Sobald Forschung nützlich sein will, stellt sich die Frage, wem der erhoffte Nutzen zugute kommen soll. Sowohl in der Gesellschaft insgesamt als auch spezifisch in den Organisationen der Wirtschaft und Verwaltung bestehen vielerlei Interessengegensätze. Daher lässt sich fragen, in wessen Dienst sich arbeits- und organisationspsychologische Forschung implizit oder explizit stellt. Aus der Vielzahl denkbarer Interessenbindungen wurde in dieser Untersuchung der häufig zitierte Gegensatz zwischen dem Individuum und der Organisation thematisiert. Am Beispiel von zwei Fachzeitschriften wurde überprüft, ob die publizierten Forschungsinhalte über einen Zeitraum von 34 bzw. 24 Jahren eher im Interesse der Organisation oder eher im Interesse des Individuums stehen. Für das „Journal of Applied Psychology” zeigte sich eine durchgehend stabile Themenauswahl im Interesse der Organisation. Für die „Zeitschrift für Arbeits- und Organisationspsychologie” gilt dies nicht. Sie war als „Psychologie und Praxis” zunächst eher am Individuum orientiert, stellte dann nach ihrer Umbenennung die Interessen der Organisation in den Vordergrund und hat in den letzten Jahren zu einer ausgeglichenen Berücksichtigung beider Interessenlagen gefunden.
Die Binnenstruktur von sozialer Verantwortung verweist auf zwei grundlegende Komponenten: Erfüllung der berechtigten Erwartungen anderer und Befolgung der sozialen Spielregeln. In diesem Beitrag geht es um die Frage, wie die Kenntnis dieser Binnenstruktur zur Klärung von Fragen der Ethik im Berufs und Wirtschaftsleben beitragen kann. Dazu wird zwischen drei Ebenen der Analyse unterschieden: Unternehmen, Führung und Mitarbeiter. Ein Ergebnis besteht darin, dass ethische Fragen in Unternehmen auf der Grundlage einer Sequenz von Entscheidungen beantwortet werden können, die zunächst die moralische Rechtfertigung der Handlung und dann die Umsetzung des moralischen Standpunkts in konkretes Engagement umfasst. Einige Folgerungen, die aus der Analyse bezogen werden, betreffen die Sicherung der individuellen Autonomie der Mitarbeiter gegenüber den Interessen der Führung, die Aufdeckung von gefährlichen Praktiken, die vor allem im Bereich des Umweltverschmutzung relevant ist, und die Frage der aktiven Beteiligung ethisch orientierter Organisationen an der Lösung von allgemeinen gesellschaftlichen Themen.
Kompetenz und Verantwortung sind zentrale Aspekte professionellen Handelns. Beide Begriffe werden zunächst theoretisch erläutert in Bezug auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Dann werden Ergebnisse aus drei empirischen Untersuchungen, zwei Feldstudien und einem Experiment, vorgestellt. Dabei wird auf über 500 Situationen von Kompetenz und Verantwortung bei 140 Untersuchungsteilnehmerinnen und Untersuchungsteilnehmern rekurriert. Zu den zentralen Ergebnissen zählen, dass eine doppelt positive Beziehung zwischen Kompetenz und Verantwortung besteht und dass besonders die subjektive situative Kompetenzerwartung den Umgang mit Verantwortung begünstigt. Die Resultate werden unter anderem diskutiert im Zusammenhang mit verschiedenen Arten und Aspekten von Kompetenz in Relation zu Verantwortung sowie dem Handlungskontext, der für entsprechende Situationen günstig ist. Außerdem werden Praxistipps für den Umgang mit Kompetenz und Verantwortung gegeben.







