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Hintergrund: In der bisherigen Forschung wurde ein enger Zusammenhang zwischen emo-tionaler Belastung und dem Funktionszustand aus Sicht des Patienten bei Kniegelenks-arthrose beschrieben. Die vorliegende Studie hatte das Ziel, im zeitlichen Längsschnitt Hinweise auf die kausale Richtung zu gewinnen. Methode: In einer prospektiven Kohortenstudie wurden 60 mit totalendoprothetischem Kniegelenksersatz behandelte Patienten präoperativ sowie drei und zwölf Monate postope-rativ untersucht. Die emotionale Belastung wurde mit der Hospital Anxiety and De-pression Scale, der Funktionszustand mit dem Funktionsfragebogen Bewegungsapparat, der deutschsprachigen Version des Short Musculoskeletal Function Assessment Question-naire, erhoben, der zwei Subskalen (Funktionsindex und Beeinträchtigungsindex) umfasst. An die Daten wurden kreuzverschobene multiple Regressionsmodelle angepasst. Ergebnisse: Sowohl innerhalb einer Zeitebene als auch zeitversetzt fanden sich enge Zu-sammenhänge zwischen der emotionalen Belastung und dem Funktionszustand. Während des ersten Zeitraums (präoperativ drei Monate postoperativ) waren die Daten mit einem Modell der wechselseitigen Beeinflussung von emotionaler Belastung und Funktion, je-doch der kausalen Priorität von emotionaler Belastung über die wahrgenommene Beein-trächtigung kompatibel. Im zweiten Zeitraum (drei bis zwölf Monate postoperativ) hatte nur der jeweilige Ausgangswert des Kriteriums eine unabhängige Prädiktionskraft. Diskussion: Während emotionale Belastung und Funktionszustand im Zeitraum bis drei Monate nach einer Kniegelenksersatzoperation einander gegenseitig zu beeinflussen scheinen, scheint für das Ausmaß der subjektiven Beeinträchtigung durch Funktionseinschränkungen die emotionale Belastung bedeutsamer zu sein. Diese Hinweise auf kausale Zusammenhänge müssen jedoch in experimentellen Studien überprüft werden.
Background: In previous research, a relationship between emotional distress and functional state has been demonstrated among patients with osteoarthritis of the knee. The present study was aimed at exploring the causal nature of this association, using a longitudinal design. Method: In this prospective cohort study, 60 patients treated with total knee arthroplasty were evaluated preoperatively as well as three and twelve months after surgery. Emotional distress was measured using the Hospital Anxiety and Depression Scale, and functional status was assessed by the Short Musculoskeletal Function Assessment Questionnaire. This self-report measure results in two subscales labeled function index and bother index. Cross-lagged multiple regression analyses were performed. Results: We found strong links between emotional distress and functional state both within a time point and across time intervals. In the first interval from before to three months after surgery, data were consistent with a model of reciprocal impact of emotional distress and functional state. However, patients emotional distress appeared to have causal priority over their feelings of being bothered by their functional restrictions. In the second interval from three to twelve months post-surgery, only the baseline values were independent predictors of the criteria. Discussion: While functional state and emotional distress seemed to mutually influence each other, the degree of patients perceptions of being bothered proved to be more strongly influenced by their emotional distress. These hints regarding the causal relations between emotional distress and function, however, have to be tested in future experimental research.
Fragestellung: Es wurden die psychometrischen Eigenschaften der deutschen Version des National Eye Institute Visual Functioning Questionnaire (NEI-VFQ) untersucht, das die krankheitsspezifische Lebensqualität bei visuell beeinträchtigten Personen misst. Methode: Studienteilnehmer waren 424 sehbeeinträchtigte Patienten der Augenklinik der Universität Essen. In einer Subgruppe von 102 Patienten wurden die Daten vor und nach einer Kataraktoperation erhoben. Es wurden Reliabilität, Faktorenstruktur und Änderungs-sensitivität berechnet. Ergebnisse: Die Werte der ursprünglich postulierten 12 Skalen waren nicht normal verteilt und zeigten ausgesprochene Deckeneffekte. Die postulierte 12-Faktoren-Struktur wurde durch unsere Datenanalyse nicht unterstützt, sondern diese legte eine 6-Faktor-Lösung na-he, die wir mit den Bezeichnungen Abhängigkeit von anderen, Nahsicht, Ausübung sozia-ler Rollen, allgemeiner Gesundheitszustand, Sorgen und Augenschmerz bezeichnen. Cron-bachs &b.alpha; der Subskalen variiert zwischen 0,92 (Nahsicht) und 0,53 (Augenschmerz). Die Subgruppenanalyse der Patienten mit Kataraktoperation zeigt eine signifikante Verbesserung der Werte von 9 der postulierten 12 Skalen auf und deutet somit auf eine gute Änderungssensitivität hin. Die Antworten auf den Skalen werden von der Sehschärfe des jeweils besseren Auges dominiert. Diskussion: Die psychometrischen Eigenschaften der Skalen sind befriedigend, wenn-gleich weitere Analysen der Faktorenstruktur und der Validität notwendig erscheinen.
Objective: The study investigates the psychometric properties of a German version of the National Eye Institute Visual Functioning Questionnaire (NEI-VFQ) measuring disease-specific Quality of Life in visually impaired individuals. Methods: Subjects participating in the study consisted of 424 visually impaired patients treated at the Essen University Eye Clinic. A subgroup of 102 patients provided data before and after cataract surgery. Psychometric properties were analyzed in terms of reliability, fac-tor structure, and sensitivity to change. Results: The scores of the originally 12 scales showed a skewed distribution with a pro-nounced ceiling effect. Our data did not support the postulated 12-factor structure of the original version. The structure rather suggests a six factor solution with scales labeled de-pendency on others, vision at a short distance, performance of social roles, general state of health, sorrows, and ocular pain. Cronbachs &b.alpha; of the subscales varies from 0.92 (near vision) to 0.53 (ocular pain). The subgroup analysis in patients with cataract surgery demonstrates a significant improvement in 9 of the originally postulated 12 subscales thus indicating the sensitivity of the scale to change. Visual acuity of the better eye dominated the response to the NEI-VFQ-scales. Conclusion: Psychometric properties are satisfactory. Nevertheless, further research is need-ed to clarify the structure and the validity of the instrument.
In der vorliegenden Arbeit wird ein kurzes und praktikables, krankheitsspezifisches Instrument zur Erhebung der spezifischen Selbstwirksamkeit für Eltern von Vorschulkindern mit Neurodermitis vorgestellt und hinsichtlich seiner statistischen Kennwerte, der Reliabilität, der Konstruktvalidität und den Zusammenhängen zu Erkrankungscharakteristika überprüft. Insgesamt 163 Eltern (v. a. Mütter) neurodermitiskranker Vorschulkinder füllten ne-ben dem Fragebogen zum Gesundheitszustand (SF-12), den Fragebogen zur Allgemei-nen Wirksamkeit (WIRKALL), den Fragebogen für Eltern von neurodermitiskranken Kindern (FEN) sowie die neu konstruierte Skala zur Erhebung der spezifischen Selbstwirksamkeit von Eltern neurodermitiskranker Vorschulkinder (SEND) aus. Zusätzlich wurde eine umfangreiche ärztliche Diagnostik beim Kind durchgeführt, in der neben der Erkrankungsschwere weitere Erkrankungscharakteristika erhoben wurden. Die Ergebnisse deuten auf eine gute Akzeptanz durch die Befragten, eine ausreichende Konstruktvalidität und interne Konsistenz wie auch diskriminante Validität der SEND hin. Die Resultate wei-sen die SEND als reliabel und valide zur Erhebung der spezifischen Selbstwirksamkeit von Eltern neurodermitiskranker Vorschulkinder aus. Die SEND bietet zudem Hinweise darauf, in welchen Bereichen die Eltern spezifischer Unterstützung bedürfen. Damit scheint das Verfahren sowohl als Screening- wie auch als Evaluationsinstrument geeignet.
This paper reports the evaluation of a short and economic disease-specific questionnaire in terms of reliability, construct validity, and disease-related characteristics. A total of 163 par-ents (primarily mothers) of pre-schoolers suffering from atopic dermatitis (AD) completed a Self-efficacy scale for parents of pre-schoolers with AD (SEND). In addition, they filled in the Health Survey (SF-12), a General Self-efficacy Scale (WIRKALL), and a Questionnaire for parents of children with AD (FEN). Their children underwent an intensive medical examination to determine disease severity and other disease-related physical characteristics. Results demonstrate good acceptance of the SEND by the parents, satisfactory construct validity, and internal consistency, as well as discriminative validity. The questionnaire, therefore, appears to be a useful assessment instrument for screening purposes as well as for the evaluation of AD specific interventions.
Berichtet wird die Revision und psychometrische Prüfung des Fragebogen zur Belastung von Krebskranken revidierte Version FBK-R23, eines spezifischen Fragebogens zur Erfassung psychosozialer Belastungen von Tumorpatienten. Empirische Grundlage sind Daten von 1645 Patienten aus Akut- und Rehabilitationskliniken mit unterschiedlichen Tumordiagnosen, die die 38-Item-FBK-Vorgängerversion beantwortet hatten. Faktorenanalysen erbrachten eine Reduktion auf 23 Items bzw. 5 Skalen mit befriedigender Homogenität (Cronbachs &b.alpha; für den Summenwert: 0,89). Die Prüfung der konvergenten Validität bezog insgesamt 9 verwandte psychologische Tests ein; die höchsten Korrelationskoeffizienten fanden sich mit den FLZ M -Gesundheitszufriedenheit (… 0,71), SCL-90-R Globaler Schwere Index (0,76) und FACT (… 0,70). Patienten mit bzw. ohne Metastasen, mit bzw. ohne Lymphknotenbefall und mit einer Krankheitsdauer bis bzw. länger als 6 Monate unterschieden sich statistisch signifikant in ihrer Belastungsintensität (diskriminante Validität). Die Änderungssensitivität des FBK-R23 wurde anhand von Längsschnittstudien zur Therapieevaluation belegt. Mit dem FBK-R23 wird ein kurzer (1 DIN-A4-Seite) psychometrisch geprüfter Test vorgelegt, mit dessen Hilfe die psychosoziale Belastung vor Tumorpatienten bewertet werden kann. Er kann u.a. zur Indikationsstellung für psychosoziale Unterstützung sowie zur Therapieevaluation eingesetzt werden.
The Questionnaire on Stress in Cancer Patients revised version QSC-R23 is a disease-specific questionnaire for the assessment of psychosocial stress in cancer patients. A total of 1645 patients with different cancer diagnoses treated in hospitals and rehabilitation clinics filled in the latest 38-item version of the QSC questionnaire. Statistical analyses suggested a reduction of the number of items from initially 38 to finally 23 that were grouped in 5 scales with satisfying internal consistency (Cronbachs &b.alpha; for the total score: 0.89). Validity studies present high correlation coefficients with the QLS M -Health Module (… 0.71), the SCL-90-R global severity index (0.76) and the FACT (… 0.70). With regard to the total QSC-score, there is a significant difference in patients with vs. without metastases, with vs. without affected lymph nodes and with a disease duration less vs. more than 6 month (discriminant validity). The sensitivity to change has been proved on the basis of longitudinal evaluation studies. Consequently, the QSC-R23 is a short (1 page) questionnaire with good psychometric properties. The data may be used to evaluate the need for psychosocial support and the outcome of a treatment.
Seit Anfang der 90er Jahre bestehen in Deutschland verstärkt Initiativen, wissenschaftlich begründete Leitlinien für Diagnostik und Therapie in verschiedenen Bereichen der Medizin zu entwickeln und zu etablieren. Im Rahmen der psychoonkologischen Versorgung beziehen sich die Zielsetzungen der Etablierung von Leitlinien auf die Sicherstellung und Verbesserung einer angemessenen Betreuung von onkologischen Patienten. Trotz der Relevanz des Gegenstandes wurden bisher nur wenige Leitlinien entwickelt. In einem mehrstufigen Prozess wurden Empfehlungen zur psychosozialen Betreuung von Krebspatienten im Rahmen von Liaison- und Konsiliardiensten im Akutkrankenhaus konzipiert. Insgesamt wurden 12 Experten in die Entwicklung einbezogen und 42 Empfehlungen formuliert, die sich in fünf Bereiche gliedern: Definition der Psychoonkologie, Grundprinzipien der Psychoonkologischen Versorgung, Organisation und Struktur Psychoonkologischer Dienste, Psychoonkologische Versorgungskonzepte und Interventionen, Qualitätssicherung, Schulung und Weiterbildung sowie Forschung und Evaluation. Die Bereitstellung einer grund-legenden Rahmenkonzeption soll Mitarbeiter psychosozialer Dienste und andere Fachgruppen in ihrer Arbeit unterstützen und einen Beitrag zur Sicherung und Verbesserung der psychoonkologischen Betreuung in Deutschland leisten.
In Germany, for more than ten years scientific guidelines for diagnostic and therapeutic purposes have been implemented in various medical fields. In psycho-oncology, however, there is still a lack of adequate guidelines. Therefore, in a multistage process we developed rec-ommendations for the psychosocial care of oncology patients in acute care who are treated in the context of liaison-consultation services. A total of 12 experts evaluated 42 recommendations structured in five categories: (1) definition of psycho-oncology, (2) basic principles of psycho-oncology care, (3) organisation and structure of psycho-oncological services, (4) psycho-oncological concepts of care and interventions, quality assurance, training and education and (5) research and evaluation. As a consequence, we expect a better support of psychosocial services as well as the assurance and improvement of the quality of psycho-oncology in Germany.
Der Schweizer Psychiater Eugen Bleuler, Ordinarius für Psychiatrie an der Universität Zürich, hat vor allem durch seine Schriften zur Nosologie schizophrener Psychosen wie auch durch seine Vermittlung zwischen Psychoanalyse und Psychiatrie historische Bedeutung erlangt. Es dürfte unter anderem dem Einfluss Bleulers zuzuschreiben sein, dass die Beziehung zwischen Psychotherapie und Psychiatrie in der Schweiz traditionell unter einem eher integrativen Vorzeichen gestaltet wurde. In einem 1914 publizierten Vortrag nahm Bleuler zur Zweckhaftigkeit einer Medizinischen Psychologie Stellung, die das instinktive Verständnis für psychologische Zusammenhänge auf eine wissenschaftliche Grundlage stellen und für das Verständnis wie auch die Therapie psychischer Störungen verwertbar machen solle. Die vorherrschende Psychophobie der Medizin sei zu überwinden. In den Spätschriften Bleulers ist dann erkennbar, dass sein Verständnis Medizinischer Psycholo-gie und auch der Psychologie allgemein dem Primat der Naturwissenschaft untergeordnet werden; verschiedene Begriffe wie das Unbewusste behalten zwar ihre grundlegende Bedeutung, werden aber in einem gänzlich veränderten Sinnzusammenhang einer natur-philosophisch-vitalistischen Theorie interpretiert.
The scientific work of Eugen Bleuler, professor of psychiatry at the university of Zurich, had a great impact on the development of psychoanalysis and psychiatry in Switzerland. Different from other countries, in Switzerland psychotherapy and psychiatry traditionally maintained a close relationship. Bleuler criticized the medical establishment of suffering from a psychophobia. In a lecture published in 1914, he underscored the importance of medical psychology to support a scientific basis for a so far “instinctive understanding of psychological processes and, as a consequence, to facilitate the understanding of the history and the treatment of psychopathology. In his later writings, he incorporated medical psychology into biological science. He continued to use psychoanalytical terms like the “unconscious”. He applied them, however, in the completely changed context of a vitalistic philosophy (mnemism).


